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1. HALBJAHR 2011

Mut statt Stillstand

Beim IHK-Neujahrsempfang konstatierte Präsident Kurt Grieshaber, dass die deutsche Wirtschaft, und diejenige in der Region ganz besonders, wieder auf der Überholspur sei. Es würde wieder investiert, eingestellt, die Geschäfte gingen bestens.

Sein eigentliches Thema war aber die Skepsis der Bevölkerung gegenüber jeder Art von Veränderung, gegen alle Varianten von Zukunftsentwürfen und speziell gegenüber Großtechnologien und großen Infrastrukturprojekten wie Flughäfen, Kraftwerken oder Bahnhöfen. Es sei richtig, alle von solchen Vorhaben Betroffenen anzuhören, ihre Anliegen ernst zu nehmen und nach Möglichkeit in die Entscheidungen einfließen zu lassen. Dies gehöre zu den grundsätzlichen Errungenschaften unserer Demokratie. Die Entscheidungen dürften aber nicht auf der Straße fallen und getroffene Entscheidungen auch nicht von der Straße revidierbar gemacht werden. Dies führe zu jahrelangem Stillstand – Grieshaber erinnerte an die Verfahrensmonster auch in der Region wie die Hochrhein-Autobahn, das geplante Kavernenkraftwerk in Atdorf und den Weiterbau der B33 in Konstanz – und der führe zu nachhaltigem volkswirtschaftlichem Schaden.

Nicht nur dies, der Stillstand belaste auch die Zukunftsfähigkeit des Landes und die Entwicklungsmöglichkeiten der nachfolgenden Generationen. Denn, so Grieshaber, „auf den Schienen, die wir heute verlegen, fahren unsere Kinder und Enkelkinder in den kommenden 100 Jahren“. Es gehe um das Allgemeinwohl und seine Priorität vor Einzelinteressen.

Die starke Distanz zu Großtechnologien sei verknüpft mit einer überall spürbaren Technikfeindlichkeit. Dies könnten wir uns aber als exportorientiertes Land, das sich auf Spitzentechnologien stütze, nicht leisten. Er sei daher froh darüber, dass derzeit eine ganze Reihe von Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Industriebetrieben entstehe und so bei der jungen Generation der Technikfeindlichkeit entgegen gewirkt werden könne. Diese Partnerschaften seien auch ein Punkt, einem der wesentlichen Probleme der nächsten Jahre zu begegnen. Das sei der Fachkräftemangel. Weitere Rezepte seien die Weiterbildung älterer Beschäftigter, die Einbeziehung gut ausgebildeter Frauen mit Kindern ins Wirtschaftsleben sowie die Integration mehr und besserer ausländischer Fachkräfte in die Wirtschaftsprozesse.

DOKUMENT-NR. 71966

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