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1. HALBJAHR 2012

Fachkräfte im Blick

Die Nachfrage nach Arbeitskräften liegt auf Rekordniveau, die Zahl der offenen Stellen ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das ist ein Ergebnis des jüngsten Fachkräftereports der IHK Hochrhein-Bodensee, der soeben auf der IHK-Homepage veröffentlicht wurde.

Den Unternehmen fehlen zusehends die Fachkräfte. So geben drei von fünf Unternehmen an, derzeit offene Stellen nicht adäquat besetzen zu können. Eine Quote, die noch deutlich über dem Landesschnitt von rund 45 Prozent liegt, was nicht zuletzt in der Grenzlage zum Schweizer Arbeitsmarkt begründet sein dürfte. Beim Handel und den Dienstleistungsberufen ist die Zahl der offenen Stellen besonders groß. Nur rund einem Drittel der Unternehmen gelingt es, alle offenen Stellen zu besetzen. Etwas leichter tut sich die Industrie. Hier sind es 47 Prozent der Unternehmen, die noch geeignete Mitarbeiter finden.

Mit mehr Attraktivität zur Fachkräftesicherung

„Die Unternehmen müssen sich damit abfinden, dass sich der Markt für Fachkräfte langsam vom Nachfrager- zum Anbietermarkt entwickelt“, sagt Dr. Alexander Graf, Chefvolkswirt der IHK.  „Daher wollen immer mehr Unternehmen im Wettbewerb um gutes Personal mit einer höheren Arbeitgeberattraktivität punkten“. Längst reagieren Betriebe auf Fachkräfteengpässe nicht mehr allein mit einer angemessenen Vergütung. Sie wissen, dass es die gesamten Lebens- und Arbeitsbedingungen sind, die eine Tätigkeit attraktiv machen. So hat die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer mehr an Bedeutung gewonnen, die ihrerseits nach einem konsequenten Ausbau der Betreuungsinfrastrukturen verlangt.

Wo die Gewinnung neuer Mitarbeiter immer schwieriger wird, gewinnt die Personalentwicklung im Unternehmen an Bedeutung. Auch die Beschäftigung Älterer bietet großes Potenzial. Hier wollen (und müssen) die Unternehmen künftig noch mehr tun. Eine altersorientierte Personalpolitik, ständige Weiterbildung und betriebliche Gesundheitsförderung sind die Stichworte.

Fachkräfte aus anderen Bundesländern, aber auch aus dem Ausland sind ebenfalls eine Option. Die von der Bundesregierung beschlossenen Zuwanderungserleichterungen sind ein richtiger Schritt und können diese Ressource künftig besser erschließen. Die IHKs werden die neue Aufgabe übernehmen, berufsqualifizierende Abschlüsse aus 190 Ländern der Welt auf ihre Vergleichbarkeit mit inländischen Abschlüssen zu überprüfen und ggf. notwendige Nachqualifizierungen anzubieten. Noch immer arbeitet ein großer Teil der hier lebenden Ausländer weit unterhalb einer im Herkunftsland erworbenen Berufsqualifikation.                   

Den Spitzenplatz im Kampf gegen den Fachkräftemangel belegen aber nach wie vor die Aus- und Weiterbildung – rund jedes zweite Unternehmen will hier „noch eine Schippe drauflegen“. Sinkende Schülerzahlen, fehlende Ausbildungsreife sowie die Konkurrenz des Studiums machen es den Betrieben immer schwerer, geeignete Azubis zu finden. Die IHK hält mit Bildungspartnerschaften Schule/Wirtschaft, mit frühzeitiger Berufsorientierung, mit Ausbildungsbotschaftern und Projekten zur Steigerung der Attraktivität der dualen Ausbildung erfolgreich dagegen. 

Die Betriebe sind bereit, ihre Hausaufgaben zu machen – doch auch die Politik steht in der Pflicht. Die Attraktivität einer Region als Lebens- und Arbeitsort erfordert gemeinsame Anstrengungen der Wirtschaft wie der öffentlichen Hand. Hohe Schul- und Studienabbrecherquoten sowie mangelnde Ausbildungsreife sind Störfaktoren beim Einstieg ins Berufsleben. 63 Prozent der Unternehmen sehen in einer besseren Qualifikation der Schulabgänger eine wesentliche Hilfe zur Fachkräftesicherung. Ziel muss es sein, die Abbrecherquoten zu reduzieren, Ganztagesschulangebote auszubauen und die schulische Berufsorientierung zu stärken.

Der ausführliche Fachkräftereport ist hier abrufbar. Er enthält Tipps, Strategien und ein umfangreiches Serviceangebot rund um das Thema Fachkräftesicherung.

 

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DOKUMENT-NR. 103807

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