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IHK24
Familienfreundlichkeit
Viele kleine und mittelständische Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern. Dabei rückt der Punkt Familienfreundlichkeit zunehmend mehr in den Fokus vieler Unternehmen im IHK-Bezirk. Grund genug, sich mit diesem Thema in Form einer Informationsveranstaltung in der Konstanzer IHK zu beschäftigen. Welche familienfreundliche Personalpolitik eignet sich für kleine und mittlere Unternehmen und welche betriebswissenschaftliche Fakten ergeben sich daraus? Diese zentrale Frage wurde von Experten aus der Politik, der Wissenschaft und Wirtschaft diskutiert.
Edith Köchel vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium erzählte, dass mittlerweile viele potenzielle Bewerber die Personalchefs eher danach fragen würden, ob es im Unternehmen flexible Arbeitszeiten und eine Kinderbetreuung gebe. Waltraud Weegmann von der Konzepte für Bildung und Soziales GmbH aus Gerlingen stellte ihre Konzepte für Kindertagesstätten vor und zeigte auch die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Unternehmen auf, die solche Modelle finanziell unterstützen.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stellten dann Unternehmensvertreter aus der Region ihre familienfreundlichen Modelle vor. Helmut Norwart von der Tettnanger Firma Vaude erläuterte die Unternehmenskultur, die sehr stark auf Familienfreundlichkeit ausgerichtet sei. So ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit und des –ortes bei Vaude möglich. Darüber hinaus hat die Firma einen eigenen Betriebskindergarten mit individuellen Betreuungsangeboten, die auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet sind. Vaude wurde bereits 2005 für seine Aktivitäten mit dem Audit-Qualitätssiegel „Beruf und Familie” der Hertie-Stiftung ausgezeichnet.
Iris Schneckenburger von der Tuttlinger Meisterbäckerei Schneckenburger musste aus der Not heraus ein flexibles Arbeitszeit-Konzept entwickeln, denn die Firma hatte es zusehend schwer, genügend Personal zu rekrutieren. Es gibt nun bei Schneckenburger ein flexibles Schichtmodell, das den Bedürfnissen der überwiegend weiblichen Belegschaft Rechnung trägt.
Bei der Waldshuter Firma Sedus-Stoll pflegt man einen ganzheitlichen Ansatz, erklärt Personalchef Martin Rochlitz. So versucht die Firmenleitung, ganz individuell auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen. Darüber hinaus dürfen Familienmitglieder in der betriebseigenen Kantine zu Mittag essen. Somit können die Schulkinder der Mitarbeiter mit ihren Eltern gemeinsam ihre Mahlzeiten einnehmen.
Christian Baumann, Chef der Firma GP in Grenzach-Wyhlen finanziert über seine Firma das kommunale Kinderbetreuungsprogramm. Insgesamt werden 40 Betreuungsplätze für Mitarbeiter angeboten. Das lässt sich das Unternehmen 20.000 Euro pro Woche kosten. Durch die hohe Fluktuation der Fachkräfte in die Schweiz habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, sagte Baumann. Sein Unternehmen wirbt nun verstärkt mit seinen Initiativen zur Familienfreundlichkeit. Es werden auch Teilzeitarbeitsmodelle angeboten, auch für Führungspositionen. Der Anteil Teilzeitarbeit liegt bei GP bei 20 Prozent.

