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IHK24
Frauen in der Chefetage
Frauen in Führungspositionen sind dünn gesät und mit steigender Position sinkt deren Anteil. Unter dem Motto: „Ich bin dann mal da – Frauen in der Chefetage!” führte die Kontaktstelle Frau und Beruf der Handwerkskammer Konstanz und die IHK Hochrhein-Bodensee am 25. Juni eine Veranstaltung zum Thema Frauen in leitenden Positionen durch. Welch große Bedeutung der Faktor Frau für die Zukunft unseres Landes hat, bewies dabei auch die Anwesenheit von Wirtschaftsminister Ernst Pfister, der im Rahmen der Veranstaltung ein Grußwort hielt.
Bis ungefähr zum dreißigsten Lebensjahr entspricht der Anteil junger Frauen in leitenden Positionen dem der männlichen Kollegen. Danach aber sinkt diese Quote auf ein anhaltend niedriges Niveau, obwohl Kompetenzen, Qualifikation und Wissen eine hervorragende Ausgangsbasis für die berufliche Karriere von Frauen bilden. Dies gilt gleichermaßen für Entscheidungspositionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Im Jahr 2007 waren in Deutschland noch nicht einmal ein Drittel (29 Prozent) der Fach- und Führungskräfte in Wirtschaft und öffentlichem Dienst weiblich, in Baden-Württemberg im selben Jahr sogar nur rund 22 Prozent. Keines der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland hat eine Vorstandsvorsitzende.
Im Handwerk zeichnet sich ein anderes Bild ab. „Das Thema Frauen nimmt bei der Handwerkskammer eine besondere Stellung ein. Wir wissen um die brachliegenden Potenziale, die dadurch entstehen, dass Frauen der Wiedereinstieg in den Beruf und der Aufstieg in die Chefetage nach der Familienphase häufig schwer gemacht werden,” so Bernhard Hoch, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. Im oft familiär strukturierten Handwerk seien Frauen jedoch bereits häufig in Schlüsselpositionen zu finden, etwa als Personalchefin, Buchhalterin, Öffentlichkeitsarbeiterin.
Historisch gesehen hat sich bereits einiges zum Positiven entwickelt, wie Prof. Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, verdeutlichte „War es anfangs noch der Zugang zu einzelnen Berufen und die Teilhabe an beruflicher und akademischer Bildung, so steht heute die professionelle Karriere nach der abgeschlossenen Ausbildung im Fokus des gesellschaftlichen Veränderungsprozesses. Ihre Vereinbarkeit mit der Familie und die Chancengerechtigkeit im beruflichen Aufstieg sind die Herausforderungen der Gegenwart.”
„Wenn es uns gelingt, dass „Frauen in der Chefetage” eine absolute Normalität sind, wenn Führungspositionen in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen von Frauen mit der selben Selbstverständlichkeit eingenommen werden, wie dies aktuell von Männern geschieht, dann werden wir eine echte Win-win-Situation haben: zur sozialen Chancengerechtigkeit kommt dann die volkswirtschaftliche Vernunft hinzu. Beides zusammen wird unsere Gesellschaft, aber auch unsere Volkswirtschaft nach vorne bringen.” ist sich Ingrid Hempel, stellvertretende Präsidentin der IHK Hochrhein-Bodensee, sicher.
Laut aktuellster Hoppenstedt-Studie hat sich der Anteil von Frauen in Managementpositionen in Deutschland innerhalb der letzten 14 Jahre (seit 1995) immerhin auf fast ein Fünftel verdoppelt. Durch die wachsende gesellschaftliche Akzeptanz neuer Lebensmodelle und die positiven Ansätze einer familienbewussten Politik werden sich die Chancen für Frauen noch weiter erhöhen, lautet die Prognose.
Welche Besonderheiten das Thema Frauen als Führungskräfte aufweist, zeigte Prof. Sissi Closs, Professorin für Informations- und Medientechnik an der Hochschule Karlsruhe in ihrem Impulsreferat „Konkurrenz und Akzeptanz als weibliche Führungskraft” auf. Professor Sissi Closs gehört zu den führenden Experten für Online-Dokumentation in Deutschland.
An der anschließenden Podiumsdiskussion beteiligten sich neben Professor Sissi Closs, Sabine Becker, Oberbürgermeisterin der Stadt Überlingen, Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin der VAUDE GmbH & Co. KG in Tettnang, Bianca Fattler, Metallbaumeisterin und Geschäftsführerin der B. + J. Fattler, Schönwald, Dr. Lotte Habermann-Horstmeier, Direktorin des Steinbeis Transferzentrums Unternehmen & Führungskräfte, Villingen-Schwenningen und Dr. Renate Neumann-Schäfer, Geschäftsführerin der Alcan Packaging Singen GmbH. Sie gaben im Gespräch Einblicke in ihre Biografien und zeigten dabei ihren persönlichen Weg in die Führungsetagen auf.
Durch die Veranstaltung führt die Trainerin, Mediatorin und Buchautorin Maria Hof-Glatz.

