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IHK24
Frauenwirtschaftstag
Beim 4. Konstanzer Frauenwirtschaftstag, organisiert von der Kontaktstelle Frau und Beruf der Handwerkskammer Konstanz und der IHK Hochrhein Bodensee, informierten sich rund 70 Teilnehmerinnen über die Themen Alterssicherung und Vermögensplanung
Das Thema Altersvorsorge ist seit Jahren aktuell, aber immer noch sind rund drei Viertel der Frauen in Deutschland nicht ausreichend finanziell abgesichert. Worin die Gründe hierfür liegen, beantworteten bereits die Hauptgeschäftsführer von Handwerkskammer und IHK in ihren Begrüßungen. Manfred Wolfensperger wies auf die brüchigen Lebensläufe von Frauen im Unterschied zu Männern hin:” Frauen legen Babypausen ein, pflegen Angehörige und arbeiten häufiger in Teilzeit. Um im Alter auf eine angemessene Rente zu kommen, müssen sie sich schon frühzeitig mit dem Thema Vorsorge beschäftigen.” Auch Claudius Marx von der IHK sprach von einem Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern, das trotz rechtlicher Gleichstellung immer noch bestehe und dem entgegen gewirkt werden müsse.
Dabei könnte alles ganz einfach sein. Constanze Hintze, Finanzberaterin und Autorin des Buches „Geld steht jeder Frau” begann in ihrem Impulsreferat mit der These, dass Frauen die besseren Geldanlegerinnen sind. „Mit Frauen wäre die aktuelle Finanzkrise nicht passiert, denn den Frauen fehlt das Gier-Gen!” Wenn Frauen Geld anlegten, dann bevorzugten sie weniger riskante Anlagegeschäfte, hinterfragten eher Produkte, die sie nicht verstehen, hielten ihre Geldanlage länger, sagte Hintze. Außerdem zeigten sie ein größeres Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Art ihrer Geldanlagen. So seien rund 70 Prozent der sogenannten Ökoprodukte bzw. nachhaltigen Geldanlagen in der Hand von Frauen. „Frauen zocken nicht, denn sie haben mehr zu verlieren als Männer,” so Hintze.
Die Biographien von Frauen lassen wenig Spielraum, um Geld als Spiel zu betrachten. Vergleicht man die Nichterwerbszeiten, so liegen diese bei Frauen durchschnittlich bei 20 Jahren, bei Männern nur bei sieben. Bereits beim Berufseinstieg gibt es zwischen Frauen und Männern einen Einkommensunterschied von acht Prozent, der sich bis zum Ende des Berufsleben allerdings auf 37 Prozent steigert. Die durchschnittliche Rente beträgt bei Männern derzeit 969, bei Frauen 465 Euro. All dies sind Fakten, die beweisen, dass das Thema Altervorsorge ein wichtiges Frauenthema ist, um das „Frau” sich nicht früh genug kümmern kann.
Allgemeine Tipps zur Geldanlage hatte Hintze ebenfalls parat: ”Bevor Sie etwas anlegen, überlegen Sie genau, was sie eigentlich wollen und wie viel Geld Sie für den sogenannten Ruhestand benötigen.” Anhand des von der Finanzberaterin Svea Kuschel entwickelten „Stufenbrunnensystems” erläuterte Hintze die Möglichkeiten der Geldanlagen: Der Geld-Brunnen besteht aus vier Schalen. Ist eine Schale ausreichend gefüllt, sollte das Geld in die nächste Schale fließen. In die erste Schale gehört das Geld für den täglichen Gebrauch, in der Regel das Girokonto. Schale zwei enthält Geld, das relativ einfach verfügbar ist, etwa Festgeld. Die dritte Schale hingegen ist für Anlagen gedacht, die nur notfalls angebrochen werden sollten, also beispielsweise Aktien und Aktienfonds. Und die vierte Schale enthält schließlich das Geld, das für das Alter bestimmt ist, also die gesetzliche und betriebliche Rente, Riester- oder Rüruprente, private Rente. „Dabei muss das „Brunnenwasser” stets im Fluss bleiben,” betonte Hintze.
Konkrete Anlageprodukte und Tipps zur individuellen Kapitalanlage und Alterssicherung lernten die Teilnehmerinnen in den fünf Workshops kennen, die sich dem Impulsreferat anschlossen. Diese richteten sich an unterschiedliche Zielgruppen, etwa an Berufseinsteigerinnen, Selbständige, Personalverantwortliche, Teilzeitkräfte und Wiedereinsteigerinnen sowie finanziell unabhängige Frauen. Das Ziel, Frauen nicht nur für das Thema an sich zu sensibilisieren, sondern ihnen gleich auch konkrete Handlungsanweisungen zur Altervorsorge mitzugeben, erreichte der vierte Konstanzer Frauenwirtschaftstag bravourös.

