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Fotos vom Südkurier (Link: http://www.suedkurier.de/_/tools/diaview.html?_CMTREE=507419&list=1)
Ansprache des Präsidenten Kurt Grieshaber
Es gilt das gesprochene Wort.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,
im Namen unserer IHK und des Präsidiums darf ich Sie zum heutigen Neujahrsempfang ganz herzlich begrüßen. Ich freue mich sehr, dass Sie in diesem Jahr so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind.
Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich an dieser Stelle nicht jeden von Ihnen hier einzeln namentlich begrüßen kann, denn angesichts der vielen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, der Wirtschaft und den Medien würde es den zeitlichen Rahmen unserer Veranstaltung erheblich ausdehnen. Seien Sie mir daher alle ganz herzlich willkommen!
Weihnachten ist zwar schon vorüber, doch wir wollen Sie mit einem Backblech voller Comedy überraschen. Drei Künstler werden Ihnen nachher eine bunte Mischung aus amüsanter Unterhaltung, Musik vom Allerfeinsten und exzellentem Gesang präsentieren. Freuen Sie sich gemeinsam mit mir auf Sigi Gall, Cherry Gehring und James Geier, dem Comedy-Trio Backblech aus Stuttgart, die ich ganz herzlich begrüßen möchte.
Meine Damen und Herren,
in diesem Jahr steht den Deutschen ein ganz besonderes Jubiläum ins Haus: Vor 60 Jahren wurde die Bundesrepublik gegründet. Am 8. Mai 1949 verabschiedete der Parlamentarische Rat die Verfassung der neuen Republik, die von den Alliierten am 23. Mai dann genehmigt wurde. Es ist die wohl positivste Zäsur in der Geschichte, die unser Land jemals erlebt hat. Freiheit und Demokratie waren die beiden Säulen, auf denen das neue Staatsgebilde aufbaute. Freiheit zu wagen und zu gewinnen stand am Anfang der jungen Republik. Aber nicht nur das: Es ging auch darum, den Menschen Gestaltungsräume zu geben, ihre Eigeninitiative zu fördern. Die wirtschaftliche Grundlage dieser Freiheit bildete die Soziale Marktwirtschaft. Ludwig Erhard schuf mit ihr ein Wirtschaftssystem, das den Menschen Wohlstand, Arbeit und Sicherheit ermöglichte. Mit der Sozialen Marktwirtschaft erlebte unser Land einen enormen und beispiellosen Aufschwung, wie ihn sich unsere Großeltern wohl erträumt hätten. Das sogenannte Wirtschaftswunder prägte die nachfolgenden Jahrzehnte. Die Menschen im Lande konnten die Früchte dieses grandiosen Aufschwungs und ihrer Arbeit endlich genießen. Wohlstand und Demokratie ließen das Land aufblühen. Für Deutschland sind die letzten sechzig Jahre fürwahr eine große Erfolgsgeschichte. Und damit auch die Soziale Marktwirtschaft, deren zentraler Gedanke der Leistungswettbewerb ist. Denn Wettbewerb fördert Leistung und ermöglicht somit Soziales. Dieser Gedanke prägte und prägt auch heute noch unser Wirtschaftssystem in Deutschland – ein Wirtschaftssystem, auf das wir stolz sein können, denn es hat sich immer wieder – auch in Krisenzeiten - als recht stabil und strapazierfähig erwiesen. Das zeigte sich auch in den zurückliegenden turbulenten Monaten. Bankenpleiten, Börsenabsturz und eine drohende Rezession sind dazu die Stichworte. Das Weltfinanzsystem stand vor dem Abgrund. Doch die Menschen im Lande gerieten nicht aus der Ruhe. Anders als zu Zeiten der großen Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre brach bei uns keine Massenpanik aus. Die Konten und Sparguthaben bei den Banken und Sparkassen wurden nicht geplündert. Die Menschen blieben ruhig und besonnen. Für mich ist das ein wahrlich gutes Zeichen, denn es zeigt mir einerseits, dass die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes Vertrauen in das Staatssystem und auch in die Marktwirtschaft haben. Und dennoch: Es gibt andererseits bei den Unternehmern große Befürchtungen. Rund jeder Zweite sorgt sich nämlich, dass durch die Finanzmarktkrise – aber auch durch die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung – die Soziale Marktwirtschaft an Vertrauen verliert. Gerade die Forderungen nach massiven Eingriffen des Staates in die Autonomie der Wirtschaft erschüttern die Grundprinzipien Freiheit, Verantwortung und sozialen Ausgleich unseres Wirtschaftssystems. Die pauschale Begrenzung von Managergehältern, die Verstaatlichung von Banken oder einzelnen DAX-Unternehmen sind vermeintlich einfache Lösungen, die aber langfristig eher schaden als nutzen. Rund jeder dritte Unternehmer in unserem Land hat Angst, dass sich der Staat perspektivisch stärker in die Belange der gesamten Wirtschaft einmischen will. So berechtigt die Forderungen nach staatlicher Stützung einzelner Branchen auf den ersten Blick auch sein mögen: sie öffnen meines Erachtens auch Tür und Tor für weitere Eingriffe des Staates in die Marktwirtschaft. Die Lasten all dieser staatlichen Maßnahmen tragen übrigens schlussendlich alle: die Unternehmer, die Beschäftigten und natürlich auch wir alle als Verbraucher.
Es ist zwar richtig und wichtig, dass die Politik alles in ihrer Macht stehende tut, um die Krise abzuwenden und einzudämmen. Dennoch gilt es sorgfältig zu prüfen, welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind. Die Neuordnung des Finanzsystems ist dabei nur ein wichtiger Baustein von vielen anderen. Die Regierung sollte Reformen vorantreiben, die sowohl kurz- als auch langfristig wirken und Wachstumsimpulse entfalten.
Unsere IHK-Organisation hat hierfür ihre Vorschläge auf den Tisch gelegt:
Die Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen bei der Einkommensteuer,
die Senkung der Rentenversicherungsbeiträge,
die Reduktion der Arbeitslosenversicherungsbeiträge,
investitionsfördernde Nachbesserungen bei der Unternehmensteuerreform sowie
ein Vorziehen von Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, in Forschung und Bildung.
Einige unserer Forderungen finden sich im Konjunkturpaket II, das ja von der Bundesregierung in dieser Woche auf den Weg gebracht worden ist. Dieses mit 50 Mrd. Euro in der Geschichte der Bundesrepublik größte Konjunkturprogramm setzt viele kleine Impulse. Ich möchte nicht allzu kritisch sein, aber vielleicht wäre es besser gewesen, anstelle eines bunten Straußes von Einzelmaßnahmen das Paket auf einige wenige Schwerpunkte zu konzentrieren. Ausdrücklich begrüßen wir jedoch die geplanten zusätzlichen öffentlichen Investitionen in Bildung, Verkehr und den Ausbau der Breitbandverkabelung für schnelle Internetanschlüsse. Richtig finden wir auch einzelne Programmpunkte zur Entlastung der Arbeitgeber, z. B. beim Kurzarbeitergeld, und die geplanten Maßnahmen zur Qualifizierung von Jugendlichen ohne Berufsabschluss. Und zielführend ist sicherlich auch, eine Schuldenbegrenzung im Grundgesetz zu verankern, wenn auch leider erst ab 2015. Eher kritisch sehe ich hingegen die halbherzigen steuerlichen und familienpolitischen Beschlüsse. Und zu viele offene Fragen verbinden sich für mich noch mit dem 100 Mrd. Euro umfassenden „Deutschlandfonds”, ein Kredit- und Bürgschaftsprogramm zur Stützung Not leidender mittelständischer Unternehmen. In meiner Gesamtbewertung des Konjunkturpakets II kann ich mich dem Kommentar von Thomas Hauser in der gestrigen Ausgabe der Badischen Zeitung durchaus anschließen, der zutreffend meinte, dass in der „Ausgewogenheit” des 50 Mrd. umfassenden Stützungspakets zugleich seine Stärke (politische Balance) als auch seine Schwäche (wirtschaftliche Wirksamkeit) gesehen werden kann.
Meine Damen und Herren,
neben allen ordnungspolitischen Maßnahmen sollten jedoch auch die Wirtschaftsakteure selbst eine Standortbestimmung vornehmen. In der öffentlichen Diskussion entsteht unter dem Einfluss der gegenwärtigen Krise oft der Eindruck, Anstand und gute Sitten hätten im Wirtschaftsleben und der allgegenwärtigen Globalisierung keinen Platz mehr. Aber stimmt das wirklich? Gehören Anstand und gutes Wirtschaften nicht doch zusammen?
Unternehmerisch klug handeln heißt doch, sich die Konsequenzen seines Tuns gut zu überlegen. Einseitige Fixierung auf kurzfristigen Gewinn und Skrupellosigkeit im Wettbewerb rächen sich irgendwann. Weder das eine noch das andere ist unumgänglich. Man muss doch kein Abzocker sein, um gute Geschäfte zu machen! Das wissen die mittelständischen Unternehmer. Woran liegt es denn wohl, dass Produkte aus Deutschland auf der ganzen Welt gefragt sind? Unsere Unternehmen haben auf den internationalen Märkten den guten Ruf, dass sie anständige und qualitätsvolle Ware liefern. Deshalb sind wir Export-Weltmeister! Weil man sich auf uns verlassen kann. Das zeichnet die Marke Deutschland aus. Unsere Kunden wissen, dass sie von uns nicht übers Ohr gehauen werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Und wenn es ein Problem gibt, dann werden die Kunden damit nicht allein gelassen.
Und was lernen wir daraus? Anstand und gute Sitten bauen vor allem auf den gesunden Menschenverstand! Und der macht einen guten Kaufmann aus. Ein guter Kaufmann denkt über den Tag hinaus. Er ist nicht darauf aus, andere zu übervorteilen. Er ist an Stammkundschaft interessiert. An langen und guten Geschäftsbeziehungen. Zu Neudeutsch nennt man so was „nachhaltig.”
Meine Damen und Herren,
mit unserer einzigartigen mittelständischen Wirtschaftsstruktur haben wir wirklich gute Voraussetzungen, aus der gegenwärtigen Krise gestärkt hervorzugehen. Der Mittelstand ist das Kraftzentrum – nicht nur für unsere Region, sondern für das gesamte Land. In einer Krise gibt es nichts Schlimmeres als das Starren auf Zahlen und Kurven, auf das bange Warten auf die nächste und übernächste Katastrophenmeldung. Der Dichter Hölderlin wusste, dass in der Gefahr auch das Rettende wächst. Gerade in diesen Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise, die manifest und virtuell zugleich, die materiell greifbar, aber dennoch diffus ist, helfen eigentlich nur der gesunde Menschenverstand und ein praktischer Lebenssinn.
Aber nicht nur das: Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer tun gut daran, sich auf die operative Exzellenz in ihren Betrieben zu konzentrieren. Es gilt dabei, den Blick für den optimalen Ablauf der Prozessketten im Betrieb zu schärfen, die Ressourcen sinnvoll zu dimensionieren und die richtigen Methoden und Verfahren so konsequent und akribisch wie irgend möglich um- und einzusetzen. Denn die besten Planungen und Analysen führen langfristig nicht zum Ziel, wenn es bei der Umsetzung an Effizienz und Qualität mangelt. Die operative Exzellenz, so wie ich sie verstehe und wie sie von mir und unseren Mitarbeitern in meinem Unternehmen umgesetzt wird, sichert den Geschäftserfolg auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Davon bin ich fest überzeugt.
Meine Damen und Herren,
wir sind alle - trotz Globalisierung und Börsenwahn - freie Menschen, die frei handeln können. Wir sind also keine Opfer, und wir wollen auch keine sein! Es steht außer Frage, dass derrückläufige Export unsere Region besonders trifft. Unsere Wirtschaft zeigte bereits im Frühjahr des letzten Jahres Ansätze für eine Verlangsamung der Dynamik. Es zeigte sich auch, dass die Spitze des wirtschaftlichen Aufschwungs bereits im Winter-Quartal 2007 überschritten war.
Dennoch: Die jetzt einsetzende Rezession trifft uns auf einem hohen Niveau. Viele unserer Unternehmen haben durch Arbeitszeitkonten ein Polster und können zurückgehende Auftragseingänge damit auffangen. Und es gibt bei den Firmen noch Aufträge, die abgearbeitet werden können.
Ich halte nichts davon, die Dinge schwarzzumalen. Eine Krise, die man täglich aufs Neue heraufbeschwört, kann gerade dadurch erst richtig bedrohlich werden. Wir sollten trotz der Katastrophenmeldungen, die uns täglich erreichen, besonnen mit der jetzigen Situation umgehen. Die Verantwortlichen in unseren Unternehmen tun gut daran, die Lage täglich neu zu bewerten und flexibel zu reagieren. Der Finanzsektor wird sich in einem umfassenden Reinigungsprozess neu ordnen müssen. Dabei sollten Transparenz und Kontrolle an oberster Stelle stehen, um verloren gegangenes Vertrauen wieder gutzumachen. Das gesamte Bankensystem muss sich auf neue und stabile Füße stellen.
Wenn dies der Weltgemeinschaft, aber auch den Nationalstaaten und deutschen Bundesländern mit ihren Landesbanken gelingt, dann werden wir am Ende der Krise besser gerüstet dastehen als zuvor. Auch wenn das Lehrgeld, das wir dafür bezahlen, enorm hoch ist.
Ich bin überzeugt, dass wir in unserer Region auch diese Krise überstehen werden. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen sowie mit neuen Geschäftsmodellen lassen sich auch neue Märkte finden und damit neue Arbeitsplätze generieren. Ich weiß um die Innovationskraft unserer Region. Ich vertraue darauf. Tun Sie es auch, meine Damen und Herren. Ich wünsche Ihnen allen Optimismus und Zuversicht für das Jahr 2009.
Zur Zuversicht gehört auch der Humor, denn Humor ist die Fähigkeit, heiter zu bleiben, wenn es ernst wird. Wir wollen Ihnen heute mit fulminanter Kleinkunst auf hohem Niveau ein wenig Spaß und Unterhaltung im neuen Jahr bieten.
Freuen Sie sich nun auf das Comedy-Trio Backblech.
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