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Grafik Beschäftigungsentwicklung 1995 - 2005
(PDF, 39 KB) (Dokument-Nr.: 8613)
STANDORTPOLITIK
Strukturwandel erfolgreich
Region Hochrhein-Bodensee verändert ihr Gesicht
Zehn Jahre nach dem Globalisierungsschock der Jahre 1992 bis 1995 zeigen sich in der Wirtschaft der Region Hochrhein-Bodensee tief greifende und bleibende Strukturveränderungen. Die fortschreitende Arbeitsteilung in der Weltwirtschaft hat Spuren hinterlassen und zugleich den Trend zur Dienstleistungsgesellschaft nachhaltig forciert. Die verschärften Wettbewerbsbedingungen auf vielen Märkten waren der Motor für eine fortschreitende Arbeitsteilung, die rasche Erschließung neuer Märkte und die hohen Produktivitätsgewinne in vielen Wirtschaftsbereichen nicht ohne gravierende Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwicklung und den Fachkräftebedarf in der Region. Eine Analyse der Industrie- und Handelskammer kommt hierbei zu dem Schluss: Die Region Hochrhein-Bodensee hat den Strukturwandel seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich bewältigt und besitzt vergleichsweise gute Entwicklungsperspektiven.
Bevölkerungswachstum und deutlich mehr Erwerbstätige
In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich die Bevölkerungszahl in der Region überdurchschnittlich um 4,6 Prozent erhöht (Baden-Württemberg 4,0 Prozent, Deutschland 0,8 Prozent). Alle einschlägigen Prognosen gehen davon aus, dass sich diese demografische Entwicklung aufgrund stabiler Wanderungsgewinne auch in den nächsten Jahren entgegen dem allgemeinen Trend fortsetzen wird. Parallel hierzu ist auch die Zahl der Erwerbstätigen überdurchschnittlich stark angestiegen (8,6 Prozent, Baden-Württemberg: 7,1 Prozent). Hinzu kommt eine stetig wachsende Zahl an Grenzpendlern in die benachbarte Schweiz, die mit knapp 33 000 Berufspendlern derzeit um rund 5 000 Personen höher liegt als vor zehn Jahren.
Der anhaltende Trend zur Dienstleistungsgesellschaft zeigt sich in einem deutlichen Auseinanderdriften der Zahl der Erwerbstätigen im produzierenden Bereich (-7,6 Prozent) einerseits und dem großen Wachstum in den Dienstleistungssektoren andererseits (20 Prozent). Vor dem Hintergrund dieser positiven Beschäftigungsentwicklung überrascht es nicht, dass sich auch die Arbeitsmarktsituation am Hochrhein und am Bodensee seit Mitte der 90er Jahre spürbar entspannt hat. Die baden-württembergische Problemregion von 1995 hat sich inzwischen zu einer stabilen Arbeitsmarktregion mit vergleichsweise niedriger, unter dem Landesdurchschnitt liegender Arbeitslosenrate entwickelt.
Immer weniger versicherungspflichtig Beschäftigte
Der anhaltende Strukturwandel in der Wirtschaft zeigt sich nicht nur in sektoralen Verschiebungen, er spiegelt sich immer stärker auch in der Form der Erwerbsarbeit wider. Immer mehr Menschen machen sich mit Kleinunternehmen selbstständig, immer mehr Mitarbeiter in den Unternehmen arbeiten als Teilzeitbeschäftigte und immer häufiger auf der Basis eines 400-Euro-Jobs, also unterhalb der Versicherungspflichtgrenze. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Zahl der versicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer trotz steigender Erwerbstätigkeit seit 2002 auch in der Region Hochrhein-Bodensee spürbar rückläufig ist. Hinzu kommen starke sektorale Veränderungen, die teilweise noch deutlicher ausfallen als im Landesdurchschnitt. So hat der produzierende Bereich überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze abgebaut. Dies gilt vor allem für das Baugewerbe, das innerhalb von zehn Jahren seine Belegschaft um rund 40 Prozent verkleinern musste, sowie in abgeschwächter Form auch für das Verarbeitende Gewerbe (-13 Prozent). Auf der Gewinnerseite steht der bislang in der Region unterrepräsentierte Dienstleistungssektor, insbesondere Firmen, die Dienstleistungen für Unternehmen anbieten, sowie die öffentlichen und privaten Dienstleistungen. Als regionale Besonderheit kommen Beschäftigungsgewinne beim Handel (Einfluss Schweizer Kundschaft) sowie bei den Verkehrsunternehmen hinzu (Bedeutungszuwachs der Logistik).
Industrie mit neuen Branchenschwerpunkten
Der über viele Jahrzehnte wichtigste Industriezweig in der Region Hochrhein-Bodensee, die Textil- und Bekleidungsindustrie, hat den Globalisierungsdruck und die hiermit verbundenen Anpassungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen am frühesten und am intensivsten zu spüren bekommen. Seit Anfang der 70er Jahre sind gut 20 000 industrielle Arbeitsplätze in dieser Branche am Hochrhein, im Wiesental und am Bodensee verloren gegangen. Alleine in den zurückliegenden zehn Jahren seit 1995 waren es 5 000. Die hohe Kapitalintensität, der extreme Rationalisierungsgrad sowie die systematische Neuausrichtung auf hochwertige Textilien und technische Textilien lassen die Hoffnung zu, dass dieser Erosionsprozess bei den Arbeitsplätzen in der Textilindustrie in den kommenden Jahren an Dynamik abnehmen wird. Die stärksten industriellen Branchen bilden heute die Elektrotechnik, Elektronik, Mess- und Regeltechnik, die Metall verarbeitende Industrie der Maschinenbau und die chemisch-pharmazeutische Industrie, mit Beschäftigungsanteilen zwischen 18 und 15 Prozent. Gegen den allgemeinen Trend haben in den zurückliegenden zehn Jahren nur die Elektrotechnik, Elektronik, Mess- und Regeltechnik sowie die Kunststoff verarbeitende Industrie zusätzliche industrielle Arbeitsplätze aufgebaut.
Gute Perspektiven für die Region
Bei aller Vorsicht, die speziell bei regionalen Perspektiven angebracht ist, stehen die Vorzeichen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung der Region Hochrhein-Bodensee nicht schlecht. Eingebettet in die Wachstumszentren Bodensee-Zürich-Basel-Oberrhein werden der Hochrheinregion grundsätzlich überdurchschnittlich gute Perspektiven eingeräumt. Der Fokus der Entwicklung richtet sich hierbei immer stärker auf die wirtschaftszweigübergreifenden Cluster. Mit den Clustern Life Science, Sondermaschinenbau/Anlagebau, Umwelttechnik, Verpackungstechnik, Aluminiumverarbeitung und Logistik stehen leistungsstarke zukunftsträchtige Bereiche zur Verfügung, die es zu fördern und weiter auszubauen gilt. Dies setzt allerdings ein ausreichendes und gut qualifiziertes Fachkräftepotenzial voraus, womit den Hochschulen und den beruflichen Bildungsstätten in der Region Hochrhein-Bodensee eine zentrale Schlüsselrolle für das weitere Wirtschaftswachstum zufällt.
Stand: September 2006

