1. Halbjahr 2017

Region braucht Gewerbeflächen, Bauland und Zuwanderung

Die IHK und der Regionalverband Hochrhein-Bodensee haben eine Studie zur Entwicklung der Region Hochrhein-Bodensee unter Berücksichtigung der Entwicklung der angrenzenden Schweizer Kantone ausarbeiten lassen. Mitte März wurden die Ergebnisse vorgestellt.
93.000 Personen, mehr als 1.000 Hektar Bruttowohnbauland und 420 Hektar Gewerbe- und Industriefläche würde die Region Hochrhein- Bodensee benötigen, um die aktuelle wirtschaftliche Attraktivität bis 2035 zu halten. Der Flächenbedarf entspricht der Größe von rund 2.000 Fußballfeldern. Diese Fakten sind das Ergebnis der Fortschreibung der Studie „ Entwicklung in der Region unter Berücksichtigung der Entwicklung der Grenzkantone" bis zum Jahr 2035. Bis dahin prognostiziert Klaus Fleck, ehemaliger Bürgermeister von Schopfheim sowie Stadt­ und Regionalplaner, eine Zunahme von rund 45.000 Einwohnern in der Region Hochrhein­ Bodensee. Nötig wäre laut Studie aber ein Zuzug von 93.000 Menschen. Denn insgesamt benötigt die Region im Jahr 2035 nach Flecks Ausführungen 720.000 Bürger beziehungsweise 388.000 Erwerbspersonen.
Weniger Erwerbspersonen
Die Zahl erwerbsfähiger Personen (20 bis 65 Jahre) in der Region Hochrhein-Bodensee nimmt nach der Prognose um 17.500 Personen ab. Das entspricht in den Kreisen Lörrach und Waldshut einer Abnahme um 3,9 Prozent und in Konstanz sogar um fünf Prozent. Diese Anzahl an Personen könnte durch die steigende Erwerbsquote der Frau und die angehobene Regelaltersgrenze, ab der man abschlagsfrei in Rente gehen kann, ausgeglichen werden.
Nicht berücksichtigt wurde hierbei die zunehmende Zahl an Grenzgängern. Die Zahl der Pendler aus der Region in die Schweiz steigt laut Studie bis 2035 jährlich um 1.500 bis 2.000 Personen. Außerdem hat die Schweiz ähnliche Herausforderungen zu meistern wie unsere Region. Darum wirbt sie um Fachkräfte und setzt sich mit der Flächenplanung aus einander. Dennoch werden viele Deutsche , vor allem Familien , weiterhin nur pendeln und nicht in die Schweiz ziehen und stattdessen Wohnungen im Grenzraum suchen, wie Bertram Paganini, der bei der IHK für die wirtschaftsbezogenen Themen der Stadtentwicklung zuständig ist, ausführte.
Größte Aufgabe Flächenbedarf
Deshalb stehen die Städte und Kommunen bereits heute vor der Aufgabe der Raumplanung. IHK- Hauptgeschäftsführer Claudius Marx erklärt: ,,Das Jahr 2035 ist für den Normalbürger ferne Zukunft, für einen Planer aber schon morgen.“ Durch die große Zahl von Neubürgern und die steigenden Ansprüche der Gesellschaft müssen die 1.000 Hektar Bruttowohnbauland eingeplant werden. Alexander Graf, Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik, appelliert an die Kommunen, Flächen für bezahlbares Wohnen zur Verfügung zu stellen. Dafür sei es nötig, dass kleinere Kommunen Flächen über die Eigenentwicklung hinaus ausweisen dürfen.
Neben den 1.000 Hektar Bruttowohnbauland werden zusätzlich 420 Hektar Gewerbe- und Industriefläche benötigt. ,,Die Vorhaltung von genügend Flächen, sowohl zur Erweiterung bestehender, als auch zur Ansiedlung neuer Betriebe sollte dabei genauso wenig aus den Augen verloren werden, wie die räumliche Verträglichkeit zwischen Wohn- und Gewerbegebieten", sagt IHK- Experte Paganini. Dazu gehöre auch, die generelle Privilegierung der Land- und Forstwirtschaft bei der Flächennutzung zu Gunsten einer Einzelfallbetrachtung aufzugeben. Ein Grund hierfür ist die Automatisierung in vielen Bereichen. In vielen Unternehmen werden Fertigungsstraßen aus-, Mitarbeiter aber abgebaut. Die Unternehmen benötigen folglich mehr Fläche für weniger Mitarbeiter. Im Landkreis Konstanz sind es heute 24, im Landkreis Lörrach 32 und im Landkreis Waldshut 22 Beschäftigte pro Hektar. Bis 2035 wird ein Rückgang der Beschäftigten um jeweils rund 15 Prozent prognostiziert.
Ausbau der Infrastruktur nötig
Durch die Erweiterung des Baulands wird auch ein Ausbau der Infrastruktur nötig. Dabei geht es nicht nur um den Verkehr, sondern ebenso um den Breitbandausbau oder die Bereitstellung von Kindertagesstätten. Die Region solle unbedingt auch für Fachkräfte attraktiv bleiben. ,,Hierzu müssen auch die Unternehmen sämtliche Felder wie Ausbildung, Weiterbildung , Bildungspartnerschaften, Kooperationen mit Hochschulen, betriebliches Gesundheitsmanagement, Vereinbarkeit von Familie und Beruf bespielen, um als Arbeitgeber für Auszubildende und Fachkräfte attraktiv zu sein und diese im Unternehmen zu halten", so Alexander Graf.
Durch die in der Studie aufgezeigten Auswirkungen erscheint eine in die Zukunft gerichtete Planung unter Einbezug der wirtschaftlichen Entwicklung der Schweizer Nachbarkantone für die Region Hochrhein- Bodensee zwingend notwendig, so Graf. Es sei zu wünschen, dass die übergeordnete Landes- und Regionalplanung diese Sachlage berücksichtigt und den Kommunen genügend große Flächenkorridore für eine stabile Weiterentwicklung zugesteht.
Die vollständige Studie finden Sie hier.