1. Halbjahr 2017

Dritter Teil der Talk-Reihe von Südkurier und IHK

Von Benjamin Brumm (Südkurier)
Was hat Sauberkeit am Arbeitsplatz mit dem Thema Vertrauen zu tun? Auch diese Frage wurde den zahlreichen Besuchern der dritten Ausgabe von "Überraschende Perspektiven" in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK) beantwortet. Zur gemeinsamen Veranstaltung von Südkurier und IHK waren diesmal Claudia Rewitz, Diplom-Psychologin und Inhaberin des Reichenauer Beratungsunternehmens Novia, und Thomas Conrady, Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee und Chef der Dienstleistungsfirma Cowa in Gottmadingen, eingeladen. Die Moderation übernahm Jörg-Peter Rau, Leiter der Südkurier-Redaktion Konstanz.
Es war Claudia Rewitz, die den Bogen spannte: Von Vertrauen über Kontrolle bis zur Sauberkeit. "Jeder hat ein anderes Verständnis von Sauberkeit am Arbeitsplatz", erläuterte sie. Die müsse aber nicht zwanghaft kontrolliert werden. "Meistens geht es schlicht um die richtige Absprache." Überhaupt ist die Kommunikation mit- statt übereinander heute wichtiger denn je, um ein Vertrauenverhältnis innerhalb eines Unternehmens zu schaffen. "Das Wir-Thema ist das entscheidende, auch in großen Konzernen", beschrieb Thomas Conrady die Abkehr vom Prinzip der Absprachen im kleinen Kreis – auch wenn die klassische Klausurtagung ihre Berechtigung habe. Claudia Rewitz fand klarere Worte: "Das stille Kämmerlein ist out."
Das Vertrauen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern kann heute viel leichter erschüttert werden. Man denke an die gegenseitige Überprüfbarkeit durch das Internet und die sozialen Medien. Die logische Konsequenz laut Rewitz: "Der Machtvorsprung innerhalb eines Unternehmens ist niedriger, Wissen allein ist nicht mehr Macht." Umso wichtiger sei es für einen modernen Betrieb, auf Transparenz zu setzen.
Dazu gehört, auch als Führungskraft zu seinen Fehlern zu stehen. Conrady berichtet von seinen Anfängen als Chef und räumt ein: "Leicht gefallen sind mir Eingeständnisse von Fehlern in jungen Jahren nicht, aber ich musste es schnell lernen." Was aber, wenn schwere Fehler geschehen, wenn Vertrauen am Arbeitsplatz verloren geht? Auch hier helfe laut Thomas Conrady vor allem eines: Reden, und zwar miteinander. "Es sei denn, die Grundfeste des Unternehmens wurden erschüttert." Dann müsse man auch bereit für einen klaren Schnitt sein. Es spricht der Unternehmer: "Auch wir haben Wechsel erlebt, auch wir entlassen Mitarbeiter und natürlich hinterfragt man das."
Dem Dreier-Gespräch zwischen Beraterin, Unternehmens-Chef und Moderator schloss sich eine Fragerunde an. Besonderes Interesse fand das Podium an der Bedeutung des Whistleblowings, des Weitertragens von Firmeninterna. Rewitz sieht darin "die letzte Möglichkeit, um illegale Aktivitäten innerhalb einer Firma zu bekämpfen". Ansonsten gelte: "Anschwärzen geht gar nicht" oder mit den Worten von Thomas Conrady: "Schmutzige Wäsche sollte man zuhause waschen." Es bleibt dabei: Sauberkeit und Vertrauen gehören irgendwie zusammen.
Der Abend in Bildern:
Über die Reihe
Das kostenlose gemeinsame Talk-Format "Überraschende Perspektiven" von SÜDKURIER und Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK) setzt gesellschaftlich wichtige Themen in Bezug zur Arbeitswelt. Der Abend mit Claudia Rewitz und Thomas Conrady war der dritte des ersten Zyklus, der unter dem Motto Vertrauen stand. Vor der Sommerpause wird es in den Räumen der IHK noch einmal "Überraschende Perspektiven" geben: Am 4. Juli werden die Gäste auf besondere Art gefordert sein.