Standortpolitik

Industriereport 2016/2017

Am Aufschwung der Binnenwirtschaft kann die deutsche Industrie derzeit nur bedingt teilhaben. Während Baugewerbe und die Dienstleister ihre Geschäftslage so gut wie noch nie einschätzen, bleibt die Stimmung in der Industrie gedämpft - das zeigt der aktuelle DIHK-Industriereport mit Einschätzungen von fast 6 000 Betrieben.
Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:
  • In der Industrie setzt sich die solide Entwicklung der letzten Jahre insgesamt fort. Die Geschäftslage fällt im Herbst im Langfristvergleich deutlich überdurchschnittlich aus. Auch die Geschäftserwartungen, Beschäftigungsabsichten und die Investitionsabsichten der Industrieunternehmen liegen weiter im positiven Bereich. Von den konjunkturellen Sonderfaktoren der vergangenen Jahre - sinkender Ölpreis, vorteilhafte Wechselkurse und sehr günstige Finanzierungsmöglichkeiten – kann die hiesige Industrie bislang profitieren.
  • Allerdings belastet die schwache Entwicklung der ausländischen Nachfrage nach Industrieprodukten die Betriebe. Die Exporterwartungen liegen weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Exporteure gehen offenbar nicht davon aus, dass der Welthandel seine Schwächephase in näherer Zukunft überwindet. Von der Gruppe der Schwellenländer dürften – auch wegen der Schwäche vieler Rohstoffförderländer und z. B. wegen der wirtschaftlichen Transformation Chinas – vorerst nur wenig positive Effekte ausgehen. Wichtige Industriestaaten wie die USA, Japan und auch einige europäische Länder weisen zwar eine gute Beschäftigungsentwicklung auf, die Investitionen der dortigen Wirtschaft sind aber geringer als in vorherigen Jahren. Das dämpft die Importnachfrage. Insgesamt wächst der Welthandel nicht einmal so stark wie die Weltwirtschaft.
  • Energiepreise verlieren am aktuellen Rand zudem einen Teil ihrer bisher positiven Wirkung auf die Industriekonjunktur. Die Sorgen der Betriebe um die Fachkräftesicherung steigen auf Rekordwerte, gleichzeitig hält sich das Geschäftsrisiko steigender Arbeitskosten nahe an seinem Höchststand. Die in Deutschland hausgemachten Preissteigerungen im Energiebereich erlangen vor dem Hintergrund des langsam wieder steigenden Ölpreises erneut an Bedeutung. Zudem sorgt sich mehr als jedes dritte Exportunternehmen um die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Die Betriebe nennen beispielsweise drohende Instabilitäten, die Zukunft des Euro, das Erstarken nationalistischer Strömungen sowie aufkommenden Protektionismus als Risiken für ihre Geschäftstätigkeit. Auch der Brexit beunruhigt viele Betriebe. Etliche Unternehmen sorgen sich zudem um mögliche wirtschaftspolitische Verwerfungen infolge der Wahlen in den USA und in europäischen Ländern. Und schließlich machen geopolitische Risiken (Russland, Türkei, Naher Osten) oder die Bedrohung durch Terroranschläge der Wirtschaft Sorgen. In einer solchen Gemengelage ist die deutsche Exportwirtschaft von einem Aufschwung vorerst weit entfernt.
  • Die Industrie plant seit einem Jahr mit bemerkenswert stabilen Investitionen am heimischen Standort. Angesichts der niedrigen Zinsen und den Investitionserfordernissen, z. B. durch Industrie 4.0, sollte die Dynamik eigentlich höher ausfallen.
  • Die Industrie will weiter einstellen. Die Beschäftigungsabsichten fallen sogar etwas besser aus als in den Vorumfragen. Einstellungen plant vor allem die international tätige Industrie. Dabei zeigt sich wieder einmal, dass die hohe Präsenz der deutschen Industrie im Ausland Arbeitsplätze hierzulande sichert und schafft. Für das Jahr 2017 rechnet der DIHK mit einem Beschäftigungsaufbau von ca. 30 000 Arbeitsplätzen in der Industrie. Mit Blick auf die zahlreichen Unsicherheiten und das schwierige Außenhandelsumfeld ist dies sehr bemerkenswert.
Den DIHK-Industriereport 2016/2017 finden Sie hier.
Stand: Januar 2017